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Eine Gehhilfe steht neben einer vereinfachten Wohnungsskizze.
Ratgeber

Hilfsmittel prüfen: Die richtige Frage vor dem Kauf

Erst das Problem in einem Satz, dann Verordnung, Erprobung und Einweisung.

Redaktion pflege besser konkret8. September 2026

Thema: AlltagLesezeit: ca. 5 Min.Checkliste: vorhandenPrüfung: fachlich geprüftStand: 8. September 2026

Ein Hilfsmittel ist kein Gegenstand, der allein durch seine Anschaffung hilft. Es muss zum Körper, zur Wohnung und zur täglichen Bewegung passen. Beschreiben Sie zuerst die Situation, die nicht funktioniert.

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Schreiben Sie einen Satz nach dem Muster: „Beim … passiert …, weil …; wir brauchen Unterstützung bei …“. Nehmen Sie diesen Satz in das Gespräch mit Arzt, Pflegefachperson, Sanitätshaus oder Pflegekasse.

Problem beschreiben

Beschreiben Sie, was konkret nicht gelingt: an welchem Ort, zu welcher Tageszeit und bei welcher Tätigkeit. Nennen Sie, wobei es gefährlich werden kann und was Sie bisher versucht haben. Ein lebendiger Satz hilft mehr als eine lange Liste.

Wenn das Problem eher selten auftritt, dann schildern Sie den gewöhnlichen Alltag. Schwierigkeiten, die nur einmal im Monat vorkommen, sind anders zu bewerten.

Notieren Sie das Problem nüchtern, ohne Bewertung. Sie beschreiben keine Diagnose, sondern eine Situation. Damit bleibt das Gespräch offen und die Fachperson kann beurteilen, welche Lösung zum Alltag passt.

Auch die Frage, was die Person selbst möchte, gehört in die Beschreibung. Manche Lösungen wirken aus Sicht der Nützlichkeit gut, passen aber nicht zu dem, was der Person wichtig ist. Deshalb gehört die Person mit in den Satz.

Ein gutes Beispiel ist ein Satz wie dieser: „Beim Aufstehen aus dem Sessel passiert es, dass die Person nach vorne rutscht, weil die Sitzfläche zu weich ist; wir brauchen Unterstützung bei einer stabilen Sitzgelegenheit.” Solche Sätze machen das Problem greifbar, mehr als ein Produktname.

Verordnung und Zuständigkeit

Ob und wie ein Pflegehilfsmittel verordnet oder erstattet wird, hängt von der Zuständigkeit ab. Beteiligt sein können Arzt, Pflegefachperson, Sanitätshaus oder Pflegekasse. Bei technischen Geräten und bei technischen Pflegehilfsmitteln gilt dies besonders.

Wenn Sie unsicher sind, welcher Kostenträger zuständig ist, dann fragen Sie genau das. Gehen Sie keine Erstattung als sicher an, bevor sie zugesagt ist.

Nennen Sie keine Marken und keine Shops. Die Entscheidung über das passende Produkt trifft die prüfende Fachperson, nicht die Werbung.

Wenn die Person bereits eine Pflegestufe hat oder Leistungen bezieht, dann kann das die Zuständigkeit beeinflussen. Fragen Sie dennoch bei der zuständigen Stelle nach, statt davon auszugehen, dass alles selbstverständlich an einem Ort geklärt wird.

Wenn die Zuständigkeit unklar bleibt, dann lassen Sie sich den nächsten Schritt nennen. Nicht jeder muss am ersten Tag eine Antwort haben. Wichtiger ist, dass Sie wissen, welche Stelle Ihre Frage weiterverfolgt, und dass Sie diese Stelle erreichen können.

Erprobung

Ein Hilfsmittel gewinnt man nicht durch Anschauen. Testen Sie Sitz, Höhe, Bedienung, Reinigung und den Platzbedarf am vorgesehenen Ort. Auch das Verhalten im Notfall gehört zur Prüfung und damit zur Frage nach der Einweisung.

Wenn das Hilfsmittel nicht passt, dann ist das kein Versagen. Andere Formen, auch eine wohnumfeldverbessernde Maßnahme, können passender sein. Manchmal ist eine einfachere Hilfe die bessere Lösung. Auch die Wahl der Verbrauchsprodukte gehört zur Erprobung.

Wenn Sie unsicher sind, ob ein Hilfsmittel stabil und sicher ist, dann nehmen Sie es nicht in Betrieb, bevor eine Fachperson es geprüft und Ihnen die Handhabung gezeigt hat.

Probieren Sie das Hilfsmittel nicht allein aus einem Gefühl der Verpflichtung. Eine Lösung, die nicht geprüft ist, kann mehr Unsicherheit schaffen, als sie nimmt. Notieren Sie stattdessen, was Ihnen fehlt, und stellen Sie diese Frage im Gespräch.

Die Erprobung findet am echten Ort statt. Ein Rollator, der auf gutem Untergrund läuft, kann auf einem Teppich ganz anders reagieren. Testen Sie deshalb auf dem Boden, auf dem er später genutzt wird.

Wenn Sie das Hilfsmittel in verschiedenen Räumen nutzen, dann prüfen Sie jeden dieser Orte. Auch ein Pflegebett, das in einer engen Ecke steht, braucht Platz für seine Bewegungen. Die Frage, ob der Raum mitmacht, gehört zur Erprobung.

Einweisung

Zur Erprobung gehört immer die Einweisung: Wer führt es vor, wer erklärt die Bedienung und was tun, wenn etwas klemmt? Schreiben Sie den Namen der einweisenden Person und Ihre offenen Fragen auf. Eine Einweisung durch eine Person ersetzt kein Video.

Wenn Ihnen eine Frage nicht beantwortet wurde, dann fragen Sie nach, bevor Sie das Hilfsmittel im Alltag nutzen. Offene Fragen sind keine Kleinigkeit.

Wenn Sie die Bedienung nach einigen Tagen nicht mehr sicher beherrschen, dann ist das ein Hinweis auf eine zu komplizierte Lösung oder auf eine zu kurze Einweisung. Sprechen Sie das erneut an, statt sich mit Unsicherheit abzufinden.

Wenn die Person das Hilfsmittel selbst bedienen möchte, dann lassen Sie sich das zeigen. So sehen Sie, ob die Bedienung verstanden wurde und wo noch Unsicherheit bleibt. Auch hier gilt: Eine Einweisung ist kein einmaliges Ereignis, sondern kann wiederholt werden.

Nachkontrolle

Nach einigen Tagen prüfen Sie erneut: Wird das Hilfsmittel genutzt, und ist das ursprüngliche Problem kleiner geworden? Wenn es in der Ecke steht, hilft der Gegenstand nichts.

Wenn das Hilfsmittel nicht genutzt wird oder neue Schwierigkeiten auftreten, dann gehen Sie mit Ihrem Problem-Satz erneut in das Gespräch. Die Einweisung muss dann nachgeholt werden.

Eine kurze Notiz nach der ersten Woche reicht. Sie beantwortet drei Fragen: Wird es genutzt, hilft es, und was macht die Person mit unsicheren Situationen? Diese Notiz ist das beste Material für das nächste Fachgespräch.

Der nächste machbare Schritt ist der Problem-Satz: Schreiben Sie einen Satz nach dem Muster „Beim … passiert …, weil …; wir brauchen Unterstützung bei …“. Legen Sie diesen Satz auf den Tisch, nehmen Sie ihn mit ins Gespräch und ergänzen Sie in der Checkliste zum Hilfsmittel-Gespräch die offenen Punkte.

Zum Mitnehmen: die Checkliste

Checkliste in voller Größe öffnen
Angaben zur Situation

Ein Video ersetzt keine Einweisung. Nichts in Betrieb nehmen, was Sie nicht erklärt bekommen haben.

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